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Eine Rarität - der «Fünfliber» von 1991

Zu Beginn des Jahres 1991 - die Vorbereitungen zur 700-Jahrfeier der Schweizerischen Eidgenossenschaft liefen auf Hochtouren - prägte die Eidgenössische Münzstätte neben den besonderen Gedenkmünzen auch wieder spezielle Sammleranfertigungen von sämtlichen Münztypen. Diese kompletten Jahrgangs-Münzensätze, mit sämtlichen Nominalen von einem Rappen bis zu fünf Franken, beinhalten immer den aktuellen Jahrgang. Die für den Umlauf bestimmte Gesamtauflage gelangt erst bei Bedarf in Zirkulation. Dies kann manchmal bis zu drei Jahre später sein. So waren diese Münzensätze sowohl bei Sammlern als auch bei Touristen besonders beliebt.

Ganz spezielle Beachtung fanden die Münzensätze des Jahrgangs 1991 erst recht im Jubiläumsjahr der Eidgenossenschaft. Nebst den Sammlern und den zahlreichen Touristen hat wohl mancher «Eidgenosse» ebenfalls den einen oder anderen Satz für sich selbst oder seine Nachkommen beiseite gelegt.

Man hatte dabei die Wahl zwischen zwei verschiedenen Ausführungen: einerseits der Stempelglanzversion (Normalprägung) und anderseits der Luxusversion, genannt «Polierte Platte», bei welcher die Prägestempel zusätzlich poliert wurden und die höchste Güte Schweizer Prägekunst bildete. Beide Ausführungen sind offizielle Zahlungsmittel und wurden exklusiv von der Schweizerischen Nationalbank über die Grossbanken an Händler, Sammler und Passanten verkauft. Die Auflage für den Jahrgang 1991 war - wie für sämtliche Münzensätze - bescheiden: 26100 Exemplare für die Stempelglanzversion und 9900 Stück für die Version in «Polierter Platte».

Rund zwei Jahre später, es war wiederum im Frühjahr, tauchten in der Schweiz zahlreiche falsche 5-Franken-Münzen auf. Diese «Fünfliber» waren ausgezeichnete Anfertigungen, und nur ein Fachmann konnte sie erkennen. Entdeckt wurden die ganz Affäre eigentlich nur durch einen dummen Fehler: Die Fälscher prägten ihre Münzen mit den Jahrgängen 1986, 1987, 1989 und 1991; was sie jedoch nicht wussten, war die Tatsache, dass - mit Ausnahme der erwähnten Münzensätze - der Jahrgang 1991 als normale Umlaufmünze von der Nationalbank noch gar nicht herausgegeben wurde. Dies hatte zur Folge, dass man die 5 Franken 1991, welche im Umlauf waren, als Fälschungen erkennen konnte und so mit der Zeit das ganze Ausmass der Falschmünzenproduktion ans Licht gelangte.

Der ganze Fall wurde in den Medien sehr ausführlich und umfassend breitgeschlagen, und man stellte schliesslich fest, dass mehrere 10000 Exemplare dieser Fälschungen in Umlauf gebracht wurden. Das Schlüsseldatum zur Aufdeckung der Falschmünzerei, bzw. des Betruges war also 1991. Diesem Sachverhalt Rechnung tragend beschloss die Eidgenössische Finanzverwaltung, die zwar bereits schon (in einer Auflage von 0,5 Mio. Exemplaren) geprägten, aber wie erwähnt, noch nicht in Umlauf gesetzten 5-Franken-Münzen mit Jahrgang 1991, definitiv nicht herauszugeben, sondern diese zu vernichten.

So enthalten nur die zwei Jahre zuvor herausgegebenen Münzensätze die einzigen echten Fünfrankenstücke von 1991 - eine numismatische Sensation. Die gesamte Auflage des «Fünflibers» von 1991 beträgt somit lediglich 36000 Exemplare. Das ist die kleinste Auflage dieses Münzwertes seit dem legendären und wertvollen 5 Franken von 1928.

Die Tatsache, dass die Sätze im Zusammenhang mit der 700-Jahrfeier herausgegeben wurde, führte zudem zu einer zusätzlichen, bedeutenden und breiten Nachfrage. Dies sehr zum Verdruss des Jahrgangssammler einzelner Nominale (immer noch die populärste Form des Münzensammelns), denn die Münzensätze sind die einzige «Bezugsquelle» für den heutigen und zukünftigen Jahrgangssammler. Von der Auflage und dem zukünfitgen Wertpotential, lässt sich der «Jubiläums-Fünfliber» 1991 mit dem «Laupen-Gedenkfünfliber» von 1939 vergleichen. Dieser wurde in einer Auflage von 30600 Exemplaren geprägt und hat heute in guter Erhaltung einen Wert von 750 Schweizer Franken. Der Marktwert der Münzensätze von 1991 liegt für die Stempelglanzausführung bei 175 Franken und für die Ausführung in «Polierter Platte» bei 200 Franken. Es wird interessant sein zu verfolgen, welchen Wert einmal der «Fünfliber» von 1991 erreichen wird.

Autor: Marcel Häberling

 

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