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Die eidgenössischen 20 Frankenstücke von 1871-1873

In den ersten zwanzig Jahren der Eidgenossenschaft besass der junge Bundesstaat keine eigenen Goldmünzen. Bevor es zur Ausgabe der ersten eidgenössischen 20 Franken Goldmünzen kam, zirkulierten in der Schweiz neben verschiedenen ausländischen Silberscheidemünzen auch Goldmünzen unserer Nachbarländer. Da die Schweiz im regen Handels- und Münzverkehr mit Frankreich stand, handelte es sich dabei hauptsächlich um französischen Gepräge. Obwohl Gold noch keinen gesetzlichen Kurswert in der Schweiz besass, wurden bereits seit 1850 französische Goldmünzen von der Bevölkerung als Zahlungsmittel akzeptiert. Im ersten schweizerischen Münzgesetz vom 7. Mai 1850, welches auf einer reinen Silberwährung basierte, sind Goldmünzen noch absolut kein Thema.

Durch die grosse Goldausbeutung in Amerika und Australien - dies führte zu einer Senkung des Goldpreises und zu einer Veränderung des Wertverhältnisses zum Silber - wurden vermehrt französische Goldmünzen geprägt, welche bald reichlich in unser Land flossen. Da die Münzen ohne Bedenken immer noch angenommen und so in Umlauf kamen, mussten die Schweizer Behörden reagieren: Mit dem Bundesgesetz vom 31. Januar 1860 wurden den französischen und den gleichwertigen Goldmünzen anderer Staaten gesetzliche Zahlungskraft verliehen. Es folgte die Gründung der Lateinischen Münzunion (LMU). Ein Münzvertrag zwischen den Mitgliedstaaten Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz konnte am 23. Dezember 1865 abgeschlossen werden. Darin wurden unter anderem weitere gesetzliche Voraussetzung für die Goldmünzen geregelt. Für die 20 Franken Goldmünzen wurde festgelegt, dass diese ein Gewicht von 6,45 Gramm, ein Feingehalt von 900/1000 Anteil Silber und ein Durchmesser von 21 Millimeter haben müssen.

In dieser Zeit konnte man von Genf bis zum Bodensee mit Louis d’Or und «Napoleone», 20 Francs König Leopolds und mit 20 Lire von Vittorio Emanuele, bezahlen. Völlig unproblematisch gingen diese eigentlichen Vorbote der Europäischen Währungsunion in unseren Zahlungsverkehr über, und die Eidgenossen zeigten keine Vorbehalte im Umgang mit den vielfältigen ausländischen Geprägen.


Als Folge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 entstand auch in der Schweiz eine Geldknappheit. Der sonst rege Münzverkehr mit Frankreich fand abrupt sein Ende, und im Land trat eine eigentliche Münznot ein. Die Realisierung von eigenen schweizerischen Goldmünzen musste jetzt zügig vorangetrieben werden. Mit dem Ziel möglichst schnell Goldmünzen in Umlauf zu bringen, wurden die Einrichtungen der Münzstätte in Bern modernisiert.

Der Bundesrat beauftragte 1871 die Eidgenössische Münzstätte 500’000 Stück «Zwanzigfränkler» in Gold zu prägen. Die Zeit drängte, und um Zeit zu sparen, nahm man einfach die Stempel der damaligen Zwanzig-Rappen-Stücke. Weil diese den gleichen Durchmesser wie die 20 Franken Goldmünzen hatten, brachte man auf der Rückseite einfach die Bezeichnung «20/FR.» an (Abb. 1). Es wurden gegen 200 Stück geprägt und in Umlauf gegeben. Da diese Goldmünzen den 20 Räpplern zu ähnlich waren und Fälschungsgefahr bestand, verlangte man kurz nach der Ausgabe bereits nach einem neuen, eigenen Münzenbild. Der beauftragte Graveur Edouard Durussel aus Bern fertigte ein Stempelpaar mit einem neuem Bild, von dem eine Kleinauflage von 30 Stück geprägt wurden (Abb. 2). Auch diese 20-Franken-Münze stiess auf Kritik und weil aufgrund des hohen Goldbarrenpreises grosse Prägeverluste entstehen, verzichtete man darauf, die geplanten 500'000 Münzen zu prägen.

Die Situation im Geldumlauf entspannte sich in der Folge erst mit dem 1871 geschlossenen Frieden zwischen Frankreich und Deutschland. Der Handel und Verkehr mit Frankreich konnte wieder aufgenommen werden, und fremde Gold- und Silbermünzen flossen von neuem ausreichend in die Schweiz. Da nun aber wie befürchtet der Goldpreis stieg und der Silberpreis zugleich fiel, kamen vorallem Silberscheidemünzen in bedenklichem Mass in unser Land. Deshalb wurde eine eigene Ausprägung von Goldmünzen nicht mehr aus den Augen gelassen. 1873 liess das eidgenössische Finanzdepartement erneut von Künstler Zeichnungen und Modelle anfertigen. Nach einem Modell des Bildhauers Dorer aus Baden, fertigte der bekannte Münzengraveur Wiener in der Münzstätte von Brüssel ein Stempelpaar, mit dem er 1000 Stück zu Handen der Eidgenossenschaft prägen liess (Abb. 3). Der oberste der drei Punkte auf der Rückseite war das Münzzeichen des Graveurs und stellte ein Engelskopf dar. Bei einem zweiten Entwurf in Bern wurde dieser Punkt weggestochen. Es gibt zwei verschiedene Versionen, warum dies geschah. Phantasievolle Betrachter interpretierten den Punkt als Kopf des deutschen Kaisers und forderten daher, diesen zu entfernen. Eine zweite Version erklärt das Wegstechen des dritten Punktes mit der Tatsache, dass die Stücke in Bern geprägt wurden und man auf das Brüsseler Münzzeichen verzichten wollte. Mit diesem abgeänderten Stempel prägte dann die Eidgenösische Münzstätte lediglich achtzig Stück.

Aber auch diese attraktiven Entwürfe fanden keinen Anklang, da hier wie bei den früheren Vorlagen die Landesangehörigkeit nicht eindeutig erkennbar war, was besonders für Goldmünzen im internationalen Geldverkehr als wichtig erachtet wurde. 

Handels- und Industrievereine bemühten sich fortan mit Vorstössen beim Bundesrat um die Einführung einer reinen Goldwährung. 1873 gab eine ständerätliche Kommission erneut den Impuls zur Prägung von Goldmünzen. Die Münzstätte schien aber zu sehr mit der Rückführung der Silbermünzen mit der sitzenden Helvetias und der Prägung von neuen Münzen beschäftigt zu sein. Um die Prägekosten einer ganzen Auflage sparen zu können, liess man die österreichischen Vier- und Achtguldenmünzen, die genau im Verhältnis von Zehn- und Zwanzigfrankenmünzen ausgeprägt waren, zusätzlich als gesetzliches Zahlungsmittel auch in der Schweiz zu.

In verschiedenen Konferenzen der Lateinischen Münzunion zum Thema der reinen Goldwährung wurde auch von diesen Vertragsstaaten die Erwartung ausgesprochen, dass die Schweiz eigene Goldmünzen prägen soll.

Aus Geldnot wurden also bereits schon vor 1883 Schweizer Goldmünzen für den Umlauf geprägt. Die vielfältigen, attraktiven Vorläufer der «Helvetias», welche in grösserer Anzahl gefertigt und ausgegeben wurden, dienten zusätzlich in dieser Zeit zur Aufrechterhaltung des Geldumlaufes. Daraus muss gefolgert werden, dass die Geschichte und Entwicklung der Zwanzig-Franken-Goldmünzen bereits im Jahre 1871 begann und bis 1949 fortgeführte wurden.

Autor: Marcel Häberling

 

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